Rosenthal und Documenta III: Renaissance der Porzellan-Skulptur

Mit den Porzellan-Skulpturen berühmter Künstler zur documenta III im Jahr 1964 begann unter Philip Rosenthal ein neues Kapitel der Porzellan-Kunst. Die Ausstellung „Rosenthal – Ein Mythos. Zwei Männer schreiben Geschichte“ zeigt zahlreiche Kunstwerke, die in der Folgezeit entstanden.

Anfang der 1960er Jahre schlug Arnold Bode, Begründer der documenta in Kassel, dem Porzellanunternehmer Philip Rosenthal vor, Kunst in Porzellan zu produzieren. Er wollte damit die Kunstedition der documenta erweitern. Rosenthal griff die Idee begeistert auf, denn er erhoffte sich dadurch eine „Renaissance der Porzellan-Skulptur“. Mit der Produktion der ersten limitierten Kunstwerke zur documenta 1964 begann auch ein neues Kapitel der Porzellangeschichte. In den folgenden Jahren entwarfen namhafte Künstler wie Henry Moore, Lucio Fontana, Victor Vasarely, Otto Piene, Niki de Saint Phalle oder Marcello Morandini Werke, die in Porzellan ausgeführt wurden. Zahlreiche Kunstwerke aus dieser Ära werden nun in der großen Jubiläumsausstellung „Rosenthal – Ein Mythos. Zwei Männer schreiben Geschichte“ präsentiert, die noch bis zum 13. November 2016 im Porzellanikon in Hohenberg a. d. Eger und Selb zu sehen ist.

Zu den ersten Künstlern, die dem Vorschlag Bodes folgten und bereits für die documenta III im Jahr 1964 die ersten Reliefs aus Porzellan beisteuerten, zählten neben Vasarely auch Etienne Hajdu, Fritz König und Ben Nicholson. Da sie jedoch kaum Erfahrungen mit dem Material hatten, galt es zunächst gemeinsam mit den Porzellanformern bei Rosenthal einige technische Herausforderungen zu lösen. So musste bei den Entwürfen etwa die Schrumpfung des Porzellans beim Brand um etwa ein Sechstel bis ein Siebtel berücksichtigt werden. Vier Jahr Jahre später wurde die erste Edition, die „Rosenthal Relief Reihe“, in einer eigenen von Arnold Bode konzipierten Ausstellung präsentiert: 22 internationale Künstler beteiligten sich mit ihren Exponaten, die in geringer Auflage angefertigt wurden, an der Ausstellung „ars porcellana“ im Kölnischen Kunstverein.

Eines der herausragendsten Werke, der „Rosenthal Relief Reihe“ ist der „Moonhead“ von Henry Moore, der 1968 in einer Auflage von sechs Stück auf den Markt kam.

In den siebziger und achtziger Jahren wurde die Kollektion um dreidimensionale Kunstobjekte und Objekt-Service in Porzellan, Glas und Keramik erweitert und in „Rosenthal Limitierte Kunstreihen“ umbenannt, wie das Teeserie von Roy Lichtenstein oder die Nagelobjekte von Günther Uecker. Seit 1973 wurden ebenfalls sogenannte Künstlerteller bei Rosenthal hergestellt, die von Persönlichkeiten aus dem Bereich Kunst, Literatur oder Musik mit einer Grafik, einem Spruch oder einer Zeichnung gestaltet wurden, zum Beispiel von Max Bill oder Günter Grass. Heute ist Rosenthal einer der führenden Anbieter für zeitgemäßes innovatives Design.

Das Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan Hohenberg an der Eger/Selb zeigt die bislang größte Ausstellung rund um die beiden herausragenden Unternehmer: „Rosenthal – Ein Mythos. Zwei Männer schreiben Geschichte“ (02. Juli bis 13. November 2016). Anlass für die Jubiläumsausstellung ist, dass Philip Rosenthal jun. in diesem Jahr 100. geworden wäre und sein Vater Philipp sen. vor 125 Jahren mit der eigenen Porzellanproduktion begann. Präsentiert werden alltägliche und herausragende Porzellane sowie noch nie gezeigtes Archivmaterial. Zudem wurde die umfangreiche Rosenthal-Abteilung des Museums im Brennhaus der 1969 stillgelegten Rosenthal-Fabrik in Selb neu gestaltet.

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