Porzellan für die Päpste

Was verbindet Kaiser Wilhelm, den Schah von Persien, den Vatikan und Ludwig Erhard? Bayerisches Porzellan. Der Vater des Wirtschaftswunders erhielt eine Porzellanplatte als Geburtstagsgeschenk, der Schah von Persien und gleich drei Päpste ließen sich Porzellan „Made in Bavaria“ liefern und Königin Silvia und zahlreichen weiteren Staatsgästen wurden bei ihren Deutschlandbesuchen kunstvolle Porzellanobjekte überreicht. In der Ausstellung „Porzellan für die Welt – 200 Jahre Porzellan der bayerischen Fabriken“ im Porzellanikon Hohenberg a. d. Eger/Selb können die Besucher nicht nur eine Zeitreise durch die Porzellangeschichte unternehmen, sondern auch eine Menge Porzellan für Prominente entdecken.

Kaiser Wilhelm Teller AusschnittEine Mischung aus Prominenz, Pracht und Patriotismus: Ein in blau und weiß gehaltenes Portrait von Kaiser Wilhelm II. umrandet mit zarten goldenen Ornamenten ziert den Porzellanteller, den die Porzellanfabrik Carl Schumann aus Arzberg zum 25. Regierungsjubiläum des Kaisers im Jahr 1913 schuf. Der damalige Kaiser und zahlreiche weitere Bartträger dieser Zeit pflegten übrigens ihre Heißgetränke aus speziellen Barttassen zu trinken. Durch den horizontalen Steg im Innenbereich der Tasse sollte der mit Wachs in Form gebrachte Schnurrbart vor dem Wasserdampf der heißen Getränke geschützt werden. Ein solches Exemplar der Porzellanfabrik Tirschenreuth aus der Zeit um 1850 ist ebenfalls in der Ausstellung zu bestaunen.

In Porzellan verewigt wurde auch der ehemalige Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard. Dessen langjähriger Freund Franz Heinrich, Chef der Porzellanfabrik Heinrich & Co. in Selb, schenkte ihm im Jahr 1962 zum 65. Geburtstag eine eckige Porzellanplatte mit seinem Konterfei. Für das Portrait hatte Erhard dem Porzellanmaler Geigenmüller in seinem Heim am Tegernsee eine Stunde Modell gesessen. In der Ausstellung wird das neben dem Geschenk einzige weitere Exemplar der 31 mal 25 Zentimeter großen Bildplatte präsentiert.

Das schwedische Königspaar wurde ebenfalls mit Porzellan aus Bayern beschenkt: Schließlich stammt nicht nur Königin Silvia aus Deutschland, sondern auch die Mutter von König Carl XVI. Gustaf: Sie war die älteste Tochter des Herzogs von Sachsen-Coburg und Gotha. Bei einem Besuch in Coburg im Jahr 1982 erhielt das Königspaar als Geschenk von der Stadt die Figurengruppe „First Moments“, die der Porzellankünstler Gunther R. Granget entworfen und die Porzellanfabrik Goebel hergestellt hat.

Hohenberg_Porzellan fuer den VatikanWie „hoffähig“ bayerisches Porzellan ist und war, zeigen auch die zahlreichen prominenten Abnehmer in aller Welt, die für die Bewirtung ihrer Gäste hochwertiges Porzellan aus bayerischen Fabriken bestellten. Besonders beliebt war dabei das 1949 von Karl Leutner entworfene und von der Porzellanfabrik Heinrich & Co. in Selb hergestellte Service „Anmut“: Berühmte Persönlichkeiten und gekrönte Häupter wie das Fürstenpaar von Monaco oder König Paul von Griechenland speisten davon. Auch in den Vatikan wurden Tafel-, Kaffee-, Tee-, Mokka- und Frühstücksservice mit Dekor-Sonderanfertigun-gen geliefert, unter anderem für die Päpste Pius XII. im Jahr 1955, seinen Nachfolger Johannes XXIII. 1959 und Paul VI. 1964. Bei einer Privataudienz im Jahr 1964 drückte der Papst dem Firmenchef Franz Heinrich gegenüber persönlich seine „Freude über das gute Service, den gut gelungenen Dekor und die herrliche Ausführung des Wappens“ aus.

Auch das persische Kaiserhaus gehörte zu den Stammkunden von Heinrich Porzellan: Anlässlich der Hochzeit von Farah Diba mit Schah Mohammad Reza Pahlavi am 21. Dezember 1959 wurde ein Staatsservice für 120 Personen sowie ein Empfangsservice für 500 Personen geordert, dekoriert mit einer anderthalb Zentimeter breiten Goldätzkante und der Insignie des Persischen Kaiserhauses, der Krone. Für die Krönung des Kaiser-paares 1967 wurden sogar 13.000 Einzelstücke bestellt, von denen die 3.000 Serviceteile für das Krönungsessen besonders wertvoll verarbeitet waren (die gesamte Lieferung hatte einen Wert von über einer halben Million DM). Für das Festbankett der 2500-Jahrfeier Persiens, an der auch viele Staatsoberhäupter teilnahmen, bekam die Firma Rosenthal den Auftrag, die Tischausstattung zu liefern.

Die Ausstellung „Porzellan für die Welt. 200 Jahre Porzellan der bayerischen Fabriken“ ist noch bis zum 30. November an den beiden Standorten des Porzellanikons zu sehen. Die genannten Exponate werden im Ausstellungsteil in Hohenberg a. d. Eger präsentiert.

Weitere Informationen:
www.porzellanikon.org

Die digitale Pressemappe und weiteres Bildmaterial zur Ausstellung finden Sie hier

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