CARITAS-Ausstellung Paderborn: Hightech für die Kunst

Der Schmerzensmann in der Röhre: Diözesanmuseum Paderborn lässt für CARITAS-Ausstellung rätselhafte Skulptur im St. Vincenz-Krankenhaus untersuchen

PADERBORN. Es war kein gewöhnlicher Patient, der sich in der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie / Neurologie des St. Vincenz-Krankenhauses Paderborn einfand. Über 500 Jahre alt und aus Holz gefertigt, gehört der Schmerzensmann, so die Bezeichnung der bedeutenden mittelalterlichen Skulptur, zu den rätselhaftesten Exponaten der großen Ausstellung „CARITAS – Nächstenliebe von den frühen Christen bis zur Gegenwart“, die ab 23. Juli im Diözesanmuseum Paderborn zu sehen sein wird.

Die um 1500 entstandene, farbig gefasste Christusstatue stammt aus der katholischen Kirchengemeinde St. Heribertus in Hallenberg und wird zur Vorbereitung auf die große Ausstellung derzeit einer umfangreichen konservatorischen Untersuchung unterzogen. Die Oberfläche der Skulptur wurde gereinigt und die farbige Fassung genauer unter die Lupe genommen. Bei diesen Analysen fand Dipl. Restaurator Christoph Fiebiger von der Paderborner Fachwerkstatt für Denkmalpflge ars colendi einen zusammengerollten Zettel in der Seitenwunde der Skulptur. Dieser bemerkenswerte Fund gibt den Forschern derzeit Rätsel auf. Zur Zeit werden Struktur und Inhalt des geheimnisvollen Schriftstücks näher untersucht.

Um genauere Auskunft über das Innenleben der besonderen Statue zu bekommen, wurde der hölzerne Patient in die erfahrenen Hände des Radiologen und Neurologen Dr. med. Wolfgang Krings vom Paderborner St. Vincenz-Krankenhaus gegeben. Erst wurde der Schmerzensmann geröntgt und schließlich im Computertomographen (CT) umfassend untersucht. Das Ergebnis beeindruckte Mediziner, Restauratoren und die Wissenschaftler des Diözesanmuseums gleichermaßen: Es konnte festgestellt werden, dass die Farben nicht nur hohe Metallbestandteile enthalten, sondern der gesamte Schmerzensmann von Kopf bis Fuß aus einem Holzstamm gearbeitet wurde, was für die besondere Qualität der Skulptur spricht.

Restaurator Fiebiger ist begeistert von diesen klinischen Untersuchungsmethoden, die er schon mehrfach in Zusammenarbeit mit Chefarzt Krings durchgeführt hat. „Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, Innenansichten von der Figur zu bekommen und Veränderungen in der Holzstruktur, Metallverarbeitungen und Farbauftragungen bis ins kleinste Detail zu erkennen“, erklärt der Restaurator. „Hinzu kommt“, so Fiebiger, „dass diese Methode zerstörungsfrei ist und zahlreiche neue Erkenntnisse, etwa über die Materialbeschaffenheit, den Entstehungsprozess und das Alter liefert.“

Für Dr. Krings ist die Untersuchung von Kunstwerken immer etwas ganz Besonderes. Bereits für die Canossa-Ausstellung hatte der Radiologe mit dem Diözesanmuseum Paderborn zusammengearbeitet. Auch Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, ist begeistert über die gelungene Zusammenarbeit der unterschiedlichen Disziplinen. „Es ist uns eine große Freude, dass wir dank der großzügigen Leihgaben aus den Gemeinden und der konservatorischen Maßnahmen herausragende Kunstwerke aus dem Erzbistum Paderborn wie den Schmerzensmann in unserer großen Ausstellung zur Nächstenliebe zeigen dürfen.“

Weitere Informationen unter:

www.caritas-ausstellung.de

Pressebilder zum Download:

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