Liebesgeschichte in Porzellan: „Maria Weiß“ feiert 100 Jahre

Ausstellung „Rosenthal – Ein Mythos. Zwei Männer schreiben Geschichte“ geht dem Bestseller auf die Spur

Selb. Eine Liebesgeschichte, die zum Bestseller wurde. Als 1916 der Sohn von Philipp Rosenthal und seiner zweiten Frau Maria auf die Welt kam, machte der Gründer des berühmten Porzellanunternehmens seiner Maria ein ganz besonderes Geschenk: Er benannte ein ganzes Service nach ihr. Heute ist „Maria Weiß“ aus der deutschen Tischkultur nicht mehr wegzudenken und feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Auch Philip junior, der später das Unternehmen seines Vaters fortführte,  wäre in diesem Jahr 100 geworden. Mit der Ausstellung „Rosenthal – Ein Mythos. Zwei Männer schreiben Geschichte“ (2. Juli bis 13. November 2013) beleuchtet das Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan in Hohenberg an der Eger / Selb nun die beiden bedeutenden Unternehmerpersönlichkeiten Philipp und Philip Rosenthal und erzählt unter anderem die Erfolgs- und Entstehungsgeschichte dieser wohl umfangreichsten und am meisten verkauften Geschirrform Rosenthals.

Neben Fotos der Namensgeberin und verschiedenen Serviceteilen sowie Zierartikeln zeigt die Schau auch, woher die deutschlandweit bekannte polygonale Geschirrform mit dem charakteristischen Kantenrelief in Form einer Früchtegirlande stammt. Eine beinahe detektivische Arbeit, wie die Porzellanexpertin und Kuratorin Petra Werner erzählt. „Neben der Rosenthal-Marke befindet sich insbesondere in den 1920er Jahren zusätzlich ein Stempel Modell Ph. Rosenthal oder Entwurf Ph. Rosenthal.  Man darf  wohl davon ausgehen, dass dieser  zur Imagepflege aufgebracht wurde und der Entwurf nicht von Philipp Rosenthal persönlich stammt.  Vielmehr diente wohl eher eine silberne Dose  als Vorlage.“ Diese dürfte Philipp in Berlin bei dem Großherzoglichen sächsischen Hoflieferanten Louis Werner erworben haben. In der Ausstellung wird diese Dose  gezeigt, die von der Bildhauerin Helene Brandt für die Ausstellung des Deutschen Werkbundes 1914 in Köln entworfen und von Bruckmann & Söhne in Heilbronn hergestellt wurde.

Maria Weiß ©Porzellanikon, RAS; Foto PorzellanikonDoch nicht nur in Sachen Liebe stellt das Service „Maria“ eine Erfolgsgeschichte dar. Auch die Zahlen sprechen dafür: Allein im Jahr 1939 gab es über 170 verschiedene Artikel – von der Grätenschale bis zur Kaffekanne. Und in den ersten 40 Jahren, so ist im SPIEGEL von 1956 zu lesen, erzielte der Einzelhandel einen Umsatz von 45 Millionen Mark. Auch in den letzten 25 Jahren wurde es millionenfach verkauft. „Der Erfolg des Services lag und liegt sicher daran, dass es so umfangreich ist, alle Teile jederzeit beliebig ergänzt werden konnten und spülmaschinenfest ist“, sagt Petra Werner. „Auch große Lieben können Startschwierigkeiten haben: Nachdem der Verkauf von ‚Maria‘ zunächst schleppend lief, lud Philipp Rosenthal die Händler zum Sektfrühstück ein. Mit nachhaltigem Erfolg.“

„Rosenthal – Ein Mythos. Zwei Männer schreiben Geschichte“. Jubiläumsausstellung anlässlich des 100. Geburtstag von Philip Rosenthal jun. und 125 Jahre Porzellanproduktion. 2. Juli bis 13. November 2016. Präsentiert werden alltägliche und herausragende Porzellane sowie noch nie gezeigtes Archivmaterial. Zudem wird die umfangreiche Rosenthal-Abteilung des Museums im Brennhaus der 1969 stillgelegten Rosenthal-Fabrik in Selb neu gestaltet.

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