Ein Leben auf der Flucht: Karl Marx

„Tausende von Flüchtlingen trafen täglich ein; alle mehr oder weniger im Elend, wenige bemittelt, alle abhängig, hilfebegehrend und hilfesuchend. Es war mit die unangenehmste Epoche in unserem Flüchtlingsleben.“ Mit diesen Worten umschrieb Jenny Marx, die Ehefrau des bedeutenden Denkers, das Elend der Flüchtlinge, die im 19. Jahrhunderts nach London strömten. Sie selbst war mit ihrem Mann 1849 ebenfalls in die damals größte Stadt der Welt geflohen, in der Marx schließlich die Hälfte seines Lebens als Staatenloser verbringen sollte. Nicht zuletzt dank finanzieller Unterstützung von Friedrich Engels lebte er dort später allerdings eher privilegiert.

Marx’ bewegtes Leben, seine wichtigsten Werke und das vielfältige Wirken in seiner Zeit werden in der großen Landesausstellung KARL MARX 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT. beleuchtet, die vom 5. Mai bis 21. Oktober 2018 anlässlich seines 200. Geburtstages im Rheinischen Landesmuseum Trier und im Stadtmuseum Simeonstift Trier zu sehen sein wird. Das Thema Flucht – Exil – Migration wird in beiden Standorten thematisiert. Im Ausstellungsteil des Rheinischen Landesmuseums Trier, „Leben. Werk. Zeit.“, illustrieren zwei Werke von Honoré Daumier (1808–1879) besonders eindrucksvoll das Elend der Flüchtenden: das Ölgemälde „Die Flüchtlinge (oder die Emigranten)“ aus dem Musée du Petit Palais in Paris sowie das Bronzerelief „Die Emigranten“. Daumiers künstlerische Annäherung an dieses bewegende Thema stellt eine große Ausnahme in seinem ansonsten eher der Karikatur verpflichteten Werk dar. Düsternis und Bedrängnis bestimmen die Szenerie. Die Flüchtlinge und Emigranten schleppen sich mit letzter Kraft in eine ungewisse Zukunft. Der Ausstellungsteil „Stationen eines Lebens“ im Stadtmuseum Simeonstift richtet seinen Blick unter anderem auf die Stadt Trier und die durch Armut bedingte Migration.

Hunderttausende Deutsche drängte es im 19. Jahrhundert aufgrund von politischer Verfolgung, wirtschaftlicher Not, Missernten und demografischen Entwicklungen ins Exil. Viele politische Oppositionelle, die u.a. versuchten, der preußischen Zensur zu entgehen, flohen nach London oder Paris – darunter auch Weggefährten von Karl Marx wie Heinrich Heine und Arnold Ruge. Andere versuchten ihr Glück in der „neuen Welt“ in Nord- und Südamerika.

Karl Marx – ein Leben als Staatenloser

Karl Marx war es schon früh gewohnt, seine Zelte abzubrechen und an einem anderen Ort neu anzufangen. Zunächst allerdings freiwillig: So zog er etwa als 17-Jähriger zum Studium nach Bonn, kurze Zeit später nach Berlin und schließlich als Redakteur der „Rheinischen Zeitung“ nach Köln. Mit Beginn seines politischen Engagements begann jedoch Marx‘ Odyssee: Als die Zeitung 1843 verboten wurde, siedelte er nach Paris um. Nur zwei Jahre später wurde er auf Betreiben der preußischen Regierung ebenfalls aufgrund seiner journalistischen und politischen Tätigkeit ausgewiesen. Sein Weg führte ihn nach Brüssel, wo er Anfang 1848 gemeinsam mit Friedrich Engels das „Manifest der Kommunistischen Partei“ schrieb. Nach der Ausweisung aus Belgien ging er erneut nach Köln, um hier im Revolutionsjahr 1848/49 die „Neue Rheinische Zeitung“ herauszugeben. Doch im Mai 1849 musste er binnen 24 Stunden auch die Domstadt verlassen. Zunächst fand er in Paris Unterschlupf, doch wegen seiner politischen Betätigung war er hier ebenfalls nicht erwünscht. Marx ging nach London, wo er ab 1849 bis zu seinem Tod lebte und somit mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte. Er hatte seine preußische Staatsbürgerschaft bereits 1845 aufgegeben und blieb Zeit seines Lebens staatenlos. Zahlreiche politisch Verfolgte aus dem Umfeld der 1848-Revolutionen profitierten 1861 von einem Amnestieerlass, der ihnen die Rückkehr aus dem Exil ermöglichte. Da Marx jedoch nicht ausgebürgert worden war, sondern seine preußische Staatsbürgerschaft aus freien Stücken abgegeben hatte, wurde sein Antrag auf Wiedereinbürgerung abgelehnt.

Weitere Informationen unter www.karl-marx-ausstellung.de

 

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Karl Marx 2018 – Ausstellungsgesellschaft mbH
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Pressebüro KARL MARX 1818 – 1883
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