Diözesanmuseum Paderborn – Younger than ever

dggEs beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen sakraler Kunst in Deutschland und hat mit hochkarätigen Ausstellungen begeistert. Nun steht das Diözesanmuseum Paderborn, das älteste Museum seiner Art im deutschen Sprachraum, selbst im Rampenlicht. Anlass sind gleich drei Jubiläen in diesem Jahr: das 160-jährige Bestehen des Museums, der 100. Jahrestag seiner Wiedereröffnung sowie der 20. Jahrestag seines Umbaus. Die Ausstellung „Younger than ever – 160/100/20“ präsentiert ab dem 17. Dezember anhand dieser drei Daten seine eigene spannende Geschichte. Inszenierungen und erstmals gezeigte Fotodokumente erzählen Geschichten von Höhen und Tiefen und zeichnen die Entwicklung von den Anfängen im gotischen Kapitelsaal des Busdorfstifts über den kontrovers diskutierten Gottfried-Böhm-Bau aus den 1970er Jahren bis hin zum heutigen Erscheinungsbild und Profil des Hauses nach. Eine Jubiläumspublikation mit bislang unveröffentlichtem Bildmaterial illustriert die wichtigen Stationen des Diözesanmuseums von seiner Gründung bis heute. „In der Begegnung mit den Werken der christlichen Kunst erschließt sich uns eine heute häufig fremd gewordene Bedeutungswelt. Hier finden wir das ‚religiöse Staunen’ wieder“, hebt Generalvikar Alfons Hardt anlässlich des Jubiläums hervor.

Vor 160 Jahren

Am 22. März 1853 wurde das Museum als „Rettungsstation“ für christliche Kunstwerke, die in den Kirchen keine Verwendung mehr fanden, gegründet und schließlich mit 20 Objekten im Kapitelsaal des Busdorfstifts eröffnet. Ziel war es, die Kunst vor der Zerstörung zu bewahren und gleichzeitig Künstlern und Handwerkern Inspirationsquellen für ihre Studien zu geben. Da die umliegenden Kirchengemeinden kaum weitere Kunstwerke einreichten, wurde das Museum 1867 geschlossen. Der Diözesankunstverein, Initiator des Museums, der sich 1852 als erster seiner Art gegründet hatte, löste sich ebenfalls auf.

Vor 100 Jahren

museum_innen_alte_raeume2-300x223Bischof Karl-Joseph Schulte startete 1911 einen zweiten Versuch und rief die Kirchengemeinden erneut dazu auf, Objekte einzuliefern. Mit Erfolg: Vor 100 Jahren, am 18. Juni 1913, konnte das neugegründete Diözesanmuseum, nun im Erdgeschoss und Kapitelsaal des Generalvikariats, mit 65 Objekten eröffnen. Es diente weiter als „Rettungsstation“, Gründungsdirektor Dr. Alois Fuchs erweiterte die Sammlung jedoch mit Leihgaben, Schenkungen und Ankäufen und prägte das Leitbild des Hauses bis heute. „Fuchs war zu seiner Zeit hochmodern. Er stärkte den breiten kulturhistorischen Ansatz des Diözesanmuseums, das nicht nur die Hochleistungen christlicher Kunst versammelt, sondern auch schlichte Zeugnisse volksfrommen Brauchtums. Diesem Leitbild sind wir auch heute verpflichtet“, sagt Prof. Christoph Stiegemann, der seit  1990 das Museum als dritter Direktor leitet.

innen_total_vor1992_2-226x280Im Laufe der Jahre wuchs die Sammlung so stark an, dass sich das Erzbistum zu einem Museumsneubau nach den Plänen des berühmten Kölner Architekten Gottfried Böhm entschloss. Am 25. Mai 1975 wurde das Haus mit der markanten Bleifassade am Marktplatz eröffnet. „Der Museumsbau mit seinem Inneren und den fehlenden Kabinetten und Trennwänden steht beispielhaft für die Museumskonzeption der 1960er Jahre und dem Ruf nach mehr Offenheit in der Kunst“, erläutert Stiegemann. Jedoch stieß dieses Konzept seinerzeit auf wenig Begeisterung, der Museumsbau wurde kontrovers diskutiert und erregte die Gemüter.

 

Vor 20 Jahren

Aufgrund klimatischer Probleme am Bau musste das Museum schließlich Anfang der 1990er Jahre umfassend saniert werden und erhielt sein heutiges Gesicht. Vor 20 Jahren, am 18. Juni 1993, wurde es in Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl wiedereröffnet. Mittlerweile umfasst die Sammlung an die 12.000 Exponate, wobei der Schwerpunkt auf der Skulptur liegt. Zudem bietet das Haus einen hervorragenden Überblick über die typologische und stilistische Entwicklung des Marienbildes. Zu den Höhepunkten der Sammlung zählt die sogenannte Imad Madonna, die zu den ältesten großfigurigen Darstellungen der thronenden Madonna in der abendländischen Kunst zählt sowie die beiden Tragaltäre aus Helmarshausen bedeutende Objekte am Aufgang der Romanik nördlich der Alpen gehören.

Neben der Dauerausstellung nehmen auch Wechselausstellungen zu wichtigen Themen der christlichen Kunst und Kultur eine entscheidende Rolle ein. Dazu zählen neben den großen Kooperations-Ausstellungen wie „CREDO – Christianisierung Europas im Mittelalter“ 2013, „Canossa – Erschütterung der Welt“ 2006 oder „799 – Kunst und Kultur der Karolingerzeit“ 1999 auch „Franziskus – Licht aus Assisi“ 2011/2012, „Für Königtum und Himmelreich – 1000 Jahre Bischof Meinwerk von Paderborn“ 2009/2010 und „Byzanz – das Licht aus dem Osten“, 2001/2002.

„Kirche steht in der Zeit und ist auf Zeitgenossenschaft hin angelegt“, sagt Generalvikar Hardt. Christoph Stiegemann fügt ergänzend hinzu: „Genau diese Auseinandersetzung mit den verschiedenen Themen, zeitgeistlichen Erscheinungen und künstlerischen Positionen der Gegenwart hält ein Museum wie das Diözesanmuseum jung. So ist es denn auch kein Wunder, dass sich das Museum heute so aktuell und jung wie nie präsentiert.“

Die Ausstellung ist bis April 2014 zu sehen. Jeden Sonntag werden um 14 Uhr öffentliche Führungen angeboten.

Weitere Informationen unter: www.dioezesanmuseum-paderborn.de

Zum Download:
160 Jahre Younger than ever – Pressemitteilung

 

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