Cranach, China und „Fair Trade“

Noch bis zum 30. Juli präsentiert das Museum Kunstpalast die von Publikum und Presse gleichermaßen gefeierte Ausstellung „CRANACH. Meister – Marke –  Moderne“. Neben herausragenden, selten gezeigten Exponaten des berühmten Renaissance-Malers präsentiert die große Schau auch, wie Lucas Cranach d. Ä. Künstler der Moderne und Gegenwart inspiriert hat – von Pablo Picasso bis Andy Warhol. Ein Highlight im Bereich der zeitgenössischen, durch Cranach inspirierten Kunst bildet die mehrteilige Arbeit „Fair Trade“ der in London lebenden, iranischen Künstlerin Leila Pazooki. In ihrer Installation zeigt sie 90 Kopien von Cranachs „Justitia“, die Maler aus dem chinesischen, über 300 Malerwerkstätten zählenden „Künstlerdorf“ Dafen  im Rahmen eines von der Künstlerin veranstalteten Wettbewerbs angefertigt haben. Mit dieser von Pazooki auch filmisch dokumentierten Malaktion thematisiert sie Massenproduktion, künstlerische Authentizität, aber auch globalen Handel und Gerechtigkeit.

„Fair Trade“

Im Jahr 2011 rief die im Iran geborene Künstlerin Leila Pazooki 100 in Dafen tätige Maler zu einem Malwettbewerb auf. Sie sollten in sechs Stunden das Gemälde mit der Darstellung der Allegorie der „Justitia“ von Lucas Cranach d. Ä. aus dem Jahr 1537 so genau wie möglich kopieren. Die Aktion wurde von der Künstlerin filmisch dokumentiert. Die so entstandenen Cranach-Kopien wurden zusammen mit weiteren in Dafen angefertigten Reproduktionen in Pazookis Arbeit „Fair Trade“ gezeigt, die erstmals 2016/17 im Museum of Western Art in Tokyo zu sehen war.

In Düsseldorf zeigt das Museum Kunstpalast in seiner großen CRANACH-Schau noch bis zum 30. Juli die „Justitia“-Kopien aus dem Kunstprojekt Pazookis. Auf einer monumentalen Stellwand hängen in 10er Reihen eine Vielzahl in ihrer Qualität höchst unterschiedliche Reproduktionen des Cranach-Originals. Manche treffen die Vorlage sehr gut, manche lassen sie nur erahnen.  Eine separat gehängte Kopie, die außerhalb des Wettbewerbs entstanden ist und durch ihre malerische Qualität und Rahmung den Anschein eines Originals erweckt, ist den im Rahmen des von der Künstlerin initiierten und filmisch dokumentierten Malwettbewerb entstandenen Kopien gegenübergestellt.

„Fair Trade“ irritiert und fasziniert auf unterschiedlichen Ebenen: Die Aspekte Massenmarkt, künstlerische Authentizität und Gerechtigkeit („Justitia“) klingen darin ebenso an, wie die Frage, in welchem Verhältnis in unserer globalisierten Welt billige Kopien zu hochpreisigen Luxusgütern stehen. In gewisser Weise spannt die Arbeit Pazookis aber auch einen Bogen zurück zur Cranach-Werkstatt in Wittenberg, die dank eines ökonomisierten Arbeitsprozesses in der Lage war, die große Nachfrage nach beliebten Bildthemen Cranachs zu bedienen.

CRANACH. Meister – Marke – Moderne

Die bereits von über 60.000 kunstinteressierten besuchte, mit vielen wertvollen Leihgaben aus den großen Museen der Welt, wie dem Metropolitan Museum of Art, bestückte Schau zum Werk von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553)  gehört zu den Veranstaltungshöhepunkten im Jubiläumsjahr der Reformation. Gezeigt werden bedeutende Gemälde und Zeichnungen des berühmten Wittenberger Malers, der ein enger Freund Martin Luthers war, und eine maßgebliche Rolle bei der Verbreitung der Reformation spielte. Zudem vermitteln neueste kunsttechnologische Forschungen faszinierende Einblicke in die tägliche Praxis des alten Meisters und seiner mit dem Markenzeichen einer geflügelten Schlange agierenden Werkstatt. Aber auch das bis in die Moderne und Gegenwart nachweisbare Weiterleben von Cranachs Bildsprache in den Werken von Künstlern wie Picasso, Warhol oder Giacometti werden dem Publikum zur Anschauung gebracht.

Weitere Infos zur Ausstellung unter www.cranach2017.de

 

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