Zu Besuch bei der Droste

Berühmte Persönlichkeiten und ihre Gärten

Was haben Friedrich Hölderlin, Karl-Heinz Osthaus und Konrad Adenauer gemeinsam? Ihre Liebe zur Natur und speziell zu Gärten und Parks zwischen Rhein und Weser. Die Parks verzückten viele weitere Dichter, Schriftsteller und Kunstliebhaber. Sie waren deren Zufluchtsort oder Inspirationsquelle. Heute können sich Kulturinteressierte mit den GartenKulturReisen, einem Angebot des Europäischen Gartennetzwerks EGHN, in Nordrhein-Westfalen auf die Spuren berühmter Persönlichkeiten begeben.

Ende des 18. Jahrhunderts verbrachte Friedrich Hölderlin einige Wochen mit seiner Geliebten, Susette Gontard, in Bad Driburg. Der Dichter wandelte dabei auch durch den Gräflichen Park und genoss hier den Ausblick auf das Eggegebirge im Teutoburger Wald. Im Laufe der Zeit wurde der Park zu einer eindrucksvollen Anlage im Stil eines englischen Landschaftsparks aus dem 19. Jahrhundert und um zeitgenössische Gärten ergänzt. Auf der Sichtachse zum Hölderlin-Hain erinnert heute eine Statue von Susette Gontard an die glückliche Zeit, die der Schriftsteller und seine Muse hier verbrachten.

Auch Annette von Droste-Hülshoff war mehrfach zu Gast im Gräflichen Park. An sie erinnert das Logierhaus „Droste-Haus“, in dem sich heute Hotelzimmer befinden. Lange Zeit ihres Lebens, ganze 20 Jahre, verbrachte die Dichterin jedoch im Haus Rüschaus bei Münster in dem einstigen Sommersitz des berühmten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun. Nur wenige Kilometer von der repräsentativen Anlage mit der kunstvoll angelegten Gräfte entfernt liegt die typisch westfälische Burganlage Hülshoff: Die Geburtsstätte der Dichterin, die von einem weitläufigen, landschaftlich gestalteten Park umgeben ist, beherbergt heute das Droste-Hülshoff-Museum mit einer reich bestückten Bibliothek und zahlreichen Erinnerungsstücken der Droste.

Auf Einladung der damaligen Gutsherrin und jungen Dichterin Hertha Koenig verbrachte Rainer Maria Rilke im Sommer 1917 einige Wochen auf Gut Böckel in Rödinghausen. In einem Eckturm am Park (dem heutigen „Rilke-Turm“) sollte er sich vom Militärdienst und von seiner Schaffenskrise erholen. In den 70 Tagen, die Rilke auf dem uralten Adelssitz in Ostwestfalen verbrachte, verfasste er rund 50 Briefe. In einem schrieb er schließlich, dass die Landschaft ihm „anfängt wohlzuthun“. Der denkmalgeschützte Park ist heute ein bedeutendes Zeugnis der Gartenkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts und ein hervor-ragendes Beispiel für einen weitgehend erhaltenen Gutspark in Westfalen-Lippe. Der Park ist nur in Verbindung mit dem Besuch von Veranstaltungen zu besichtigen.

1908 hatte sich der Hagener Kunstmäzen und Kulturreformer Karl Ernst Osthaus vom belgischen Architekten Henry van de Velde sein Wohnhaus entwerfen lassen. Die Villa Hohenhof ist heute eines der wenigen erhaltenen Gesamtkunstwerke des Jugendstils, ein Baudenkmal von europäischem Rang. Der Gartenplan van de Veldes, in dem die Pflanzen nur eine untergeordnete Rolle spielen sollten, missfiel Osthaus so, dass er den Garten 1913 beim Gartenarchitekten Leberecht Migge in Auftrag gab. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde der Garten im Jahr 2003 im Zusammenhang mit Arbeiten an den Gebäuden nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Heute ist der Hohenhof einer der Standorte des Karl-Ernst-Osthaus-Museums der Stadt Hagen.

Vielleicht lag es an seinem farbenprächtigen Garten in Rhöndorf mit den prachtvollen Rosen und dem herrlichen Blick über das Rheintal, dass sich Konrad Adenauer (1876-1967), langjähriger Bürgermeister der Stadt Köln und erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, so für das nahe gelegene Bonn als neue Hauptstadt stark machte. Der am steilen Hang eines einstigen Weinbergs angelegte 4000 qm große Garten bietet eine bunte Vielfalt von Bäumen, Sträuchern und Blumen. Er erinnert damit an das nördliche Italien, das Adenauer sehr zu schätzen wusste. Das 1936/1937 erbaute Wohnhaus ist heute eine Gedenkstätte.

Wer sich in diesen Gärten auf Spurensuche begeben möchte, kann bei GartenKulturReisen zwischen Rhein und Weser entsprechende Reiseangebote dazu buchen: Gruppen haben die Wahl zwischen einer fünf- und einer dreitägigen Reise (Tour 1 oder 2). Für einzelreisende Gartenfreunde gibt es attraktive Geschenkboxen. Mit den darin enthaltenen Gutscheinen für Übernachtungen und Parkeintritt sowie dem Gartenreiseführer für die jeweilige Region können jeweils  zwei Personen schon ab 99 Euro auf Entdeckungsreise durch die Regionen Rheinland, Münsterland, Ruhrgebiet oder Ostwestfalen-Lippe gehen.

Weitere Informationen: www.gartenkulturreisen.de

Alle genannten Gärten sind Partner im Europäischen Netzwerk EGHN und können auch virtuell besucht werden www.eghn.eu.

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